Donnerstag, 29. November 2012

Vielen Dank - moltes gràcies

Das Jahr geht dem Ende zu und schon jetzt lasse ich die letzten Monate gedanklich noch einmal an mir vorbeiziehen.
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein Jahr erlebt zu haben wie dieses. Es war geprägt von heftigsten Eindrücken und Emotionen, in jeglicher Hinsicht.
Es begann damit, dass ich im Januar von Deutschland nach Spanien gezogen bin, ohne genau Pläne, was ich hier machen möchte.
6 Wochen später ist meine über alles geliebte Hundeoma Fine gestorben.

Und es ging wie auf einer Achterbahn weiter:
- neue Sprache lernen
- Verliebtsein
- Liebeskummer
- der Tod eines Finca-Mitbewohners
- der riesige Waldbrand
- eine 6 wöchige Reise quer durch Spanien - reines Wildcampen auf engstem Raum im Auto mit den 2 Hundemädels
- mit dem Klettern angefangen, trotz bzw. wegen meiner Höhenangst
- bin Teil eines neuen, wunderbaren Projekts geworden (www.diez-centimos.com)
- habe die Finca verlassen und wage nur komplett etwas Neues - beruflich und privat.
- wieder Verliebtsein und Trennungsschmerzen
- aktuell Wohnen unter ungewöhnlichsten Umständen

Mein Leben hat sich, im Vergleich zu dem in Deutschland, um 180 Grad gedreht. Alle scheinbaren Sicherheiten habe ich über Bord geworfen und fange von ganz vorne an, mache völlig neue Erfahrungen und springe kopfüber ins Leben. Alltagsroutine kommt gerade keine auf und ich vermisse sie auch nicht. Im Gegenteil, noch nie war mein Leben so aufregend wie zurzeit.

Am meisten beeindruckt mich jedoch eines: All die unglaublich vielen lieben Menschen, die ich um mich herum habe! Ich bekomme so viel Unterstützung, positiven Zuspruch und Hilfsbereitschaft entgegengebracht, dass ich es manchmal gar nicht glauben kann. Von alten Freunden und Bekannten genauso wie von neu geknüpften Kontakten in Katalonien.

Ohne euch würde ich dieses Leben, wie ich es gerade lebe, nicht führen können!
Euer Rückhalt ist mir enorm wichtig und ich danke euch allen dafür, dass ihr für mich da seid - moltes gràcies!!! 














Montag, 13. August 2012

Die Zeit nach dem Brand

Einige haben es mitbekommen, dass wir vor 3 Wochen einen riesigen Waldbrand hatten. Insgesamt sind 13.000 Hektar Land verbrannt.
Auch unsere Finca war direkt betroffen. Das Feuer ging nicht um sie herum, sondern mitten durch! Und klar, es hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, auf die ich im Detail aber gar nicht noch einmal eingehen möchte.

Jetzt, nach 3 Wochen, ist bereits zu sehen, dass sich die Natur erholt und an einigen Stellen schon wieder etwas Grünes wächst.
Anders sieht es mit den betroffenen Menschen aus, so auch mit mir.
Täglich bin ich aufs Neue mit den Auswirkungen konfrontiert: dem Gestank nach Ruß, dem Dreck im Haus, den total verkohlten Bäumen.

Direkt nach dem Feuer haben wir alle große Erleichterung verspürt, dass uns und den Tieren (gesundheitlich) nichts passiert ist. Erst nach und nach habe ich jedoch das ganze Ausmaß realisiert und in völlig unerwarteten Momenten angefangen zu weinen.

Viele meiner Freunde in Deutschland konnten gar nicht nachvollziehen, was hier vor sich gegangen ist. Die häufigste Äußerung war: "Gut, dass euch nichts passiert ist" und dann ging es weiter im Text.

Ganz so leicht ist das aber nicht. Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und darüber zu reden. Erst dann ist es möglich, wieder nach vorne zu schauen und sich dem Aufbau zu widmen.
"Anerkennen was ist", ist einer der wichtigsten Grundsätze im Coaching. Das habe ich nun wieder am eigenen Leib erfahren und bin für diese "Lektion" dankbar.

Aktuell baue ich den erlebten Stress mit Bewegung ab. Es hält mich keine 5 Minuten auf einem Stuhl, dauernd mache ich irgendetwas. Und das ist in
Ordnung, die Zeiten werden sich wieder ändern.


Freitag, 6. Juli 2012

Ich habe mich verliebt!

Es hat mich erwischt. Ich bin verliebt und zwar...in Katalonien!
Ich bin verliebt in das Land, seine Menschen, die Natur, die Sprache, das Klima und die Kultur
Bevor ich hierhin gezogen bin, wusste ich so gut wie nichts über diese Region. 
Ich war völlig unbedarft und lerne Katalonien nun seit 6 Monaten intensiv kennen. 
Korkeichenwald
Wenn mich jemand nach meiner neuen Heimat fragt, komme ich ins Schwärmen und in einen wahren Erzählrausch. 

Ich fühle mich in Katalonien mit offenen Armen empfangen. Überall treffe ich auf hilfsbereite, aufgeschlossene und kontaktfreudige Menschen. 
In 30 Minuten bin ich am Meer und kann wählen zwischen endlosen Sandstränden oder kleineren Steinbuchten.
Oder soll es vielleicht doch lieber ein Ausflug in die Pyrenäen sein? Ein Spaziergang im Korkeichenwald oder eine Fahrt zum Stausee um die Ecke?
Die Landschaft ist unwahrscheinlich abwechslungsreich, so dass für jeden Geschmack etwas geboten wird.
Ausblick beim Spaziergang


Dazu kommt ein breitgefächertes Kulturangebot wie z.B. OpenAir Konzerte, Feste, Freiluftkino, etc.
Und die Krönung bildet für mich das Sportangebot. Wer hier nichts findet, was ihm Spaß macht, dann weiß ich auch nicht....

In Katalonien kommt man überall mit Spanisch durch, aber einen wirklichen Zugang zu den Katalanen bekommt man nur über ihre eigene Sprache.
Während der Franco-Diktatur wurde das Katalanische verboten. Für mich ist es daher nachvollziehbar, dass den Katalanen viel an ihrer Sprache und dem damit verbundenen Lebensgefühl gelegen ist.
Obwohl ich selber bisher nur "una mica de català" spreche, lerne ich die Sprache mit totaler Begeisterung!
Weinanbau vor Capmany

Wie sehr ich mich in Katalonien verliebt habe, wurde mir erst bewusst, als ich vorletzte Woche in Deutschland war. Mir haben viele Kleinigkeiten gefehlt, die ich an diesem Land so zu schätzen gelernt habe. 

Nun tauche ich wieder in das hiesige Leben ein, war mit meiner Katalan-Volontärin im Theater (moltes gràcies, Sílvia!),
erkunde den Rock Català und würde mich freuen, wenn auch bei euch ein katalanischer Funke überspringt! 



Erklärung zu den Dolmen (s.u)


Rock Catalá:
u.v.m







Sonntag, 24. Juni 2012

Einmal Deutschland und zurück

Letzte Woche war es soweit, mein erster Deutschlandbesuch nach 5 Monaten.
Ich war sehr darauf gespannt, wie ich mich fühlen werde, denn in der Zwischenzeit ist viel passiert.

Tja, ich mache es kurz:
Ich habe mich in Deutschland nicht mehr heimisch gefühlt.
Und wie das mit Gefühlen so ist, lassen sich diese nicht rational erklären. Deshalb wäre es falsch zu sagen, es liegt an diesem oder jenem. 

Ich habe es sehr genossen, meine Freunde zu treffen und bekannte Orte aufzusuchen, aber ich habe mich lediglich als Besucher gefühlt. Stattdessen habe ich meine neue Heimat vermisst und auch hier konnte ich nicht genau erklären, woran es lag. Natürlich fehlte mir die Sonne, aber auch der katalanische "way of life". 

Im Nachhinein war mein Deutschlandaufenthalt für mich sehr wichtig, denn ich habe gespürt, wie sehr ich mich schon jetzt mit meiner neuen Heimat verbunden fühle. Es war eine emotionale Bestätigung, dass ich hier bleiben und mir etwas aufbauen möchte.

Als ich am Freitag zurückkam, habe ich mich sofort wieder zu Hause gefühlt und nicht gefremdelt. Die Zeit in Deutschland war schön und ich habe mich sehr gefreut, meine Freunde zu sehen!
Aber nun geht es hier weiter und ich bin gespannt, wie es wieder 5 Monate später aussieht.....


Samstag, 2. Juni 2012

Frau über Bord....

Letztes Wochenende habe ich mich mal wieder einer neuen Erfahrung gestellt: ich habe an einem Kajakkurs für Einsteiger teilgenommen.
Das Wetter war auf unserer Seite, absolut windstill und keine Wellen. Für einen erfahrenen Kajakfahrer ist das wohl der Höhepunkt an Langeweile ;-)
Für mich dagegen war es ideal, weil ich in Ruhe übers Meer schippern und mich auf die Übungen konzentrieren konnte.

Am ersten Tag klappte es super, auch die Übung, bei der wir uns umkippen lassen mussten, um das Aus- und wieder Einsteigen zu üben.
Am zweiten Tag kam ich dagegen immer wieder in Situationen, in denen ich ängstlich war. "Was, wenn ich umkippe, ohne, dass ich mich vorher darauf einstellen konnte? Komme ich dann genauso flott aus dem Kajak raus?"
Die Unsicherheit saß mit im Boot und hat mich übervorsichtig werden lassen.

Dabei gab es dazu keinen Grund! Wir alle hatten Schwimmwesten an, der Kajaklehrer war immer in der Nähe, es hätte also nichts passieren können.
Nach einiger Zeit habe ich mich über meine eigene Ängstlichkeit geärgert. Es ging mir auf den Keks, dass ich so vorsichtig war, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass nichts passieren kann.

Aber Ärger ist auch kein guter Ratgeber, also habe ich mich darauf besonnen, was ich anderen raten würde: Annehmen, was ist!
Ich habe in diesem Moment Angst? Gut, dann ist das jetzt gerade so. 

Aus Erfahrung weiß ich, wie ich mit so Situationen am besten umgehe.
  1. Vom unbewussten Gruppendruck des Kurses lösen. Ich bin langsamer als die anderen - na und? Hauptsache ist, ich fühle mich wohl!
  2. Übungen in kleinste Teile zerlegen und die Abläufe nach und nach üben. Dann erst setze ich die einzelnen Teile zusammen. 
  3. Ich benötige viele Wiederholungen, um mich sicher zu fühlen. Also mache ich lieber weniger Übungen mit und konzentriere mich stattdessen auf ein oder zwei.
  4. Das Ganze soll mir Spaß machen!
    Anstatt in persönlichen Stress zu verfallen, erinnere ich mich daran, dass ich das Ganze mache, um Spaß zu haben. Ich muss niemandem etwas beweisen, ich kann alles so machen, wie es mir guttut!
Nachdem ich mir selber den Druck genommen habe, ging es mir deutlich besser. Ich hatte Verständnis für meine Ängste, habe mich nicht weiter verurteilt und stattdessen darauf geachtet, dass ich mich wohlfühle. 

In solchen Momenten kann man übrigens die inneren Stimmen gut wahrnehmen, wenn man in sich rein hört. Kritiker, Antreiber, Zweifler,....
Morgen bietet sich mir dazu eine weitere Gelegenheit, dann nehme ich an einer Exkursion der Kajakschule teil: 1,5 Stunden Kajakfahren, 1,5 Stunden spazierengehen.
Zumindest beim Spazierengehen kann es dann nicht heißen "Achtung, Frau über Bord" ;-)


Dienstag, 15. Mai 2012

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Manchmal bewegt mich längere Zeit nichts, worüber ich schreiben möchte, aktuell schon.
Das ist der Auslöser:
Letzte Woche habe ich drei E-Mails geschrieben, zwei Anfragen als Kunde und eine private. Auf keine der drei Mails habe ich bisher eine Antwort bekommen.

Diese Nicht-Reaktionen lösen bei mir etwas aus. Ich frage mich: "Hat der/-diejenige es geschäftlich nicht nötig, einen Kunden zu gewinnen oder zu halten?", "Ist der-/diejenige derart unorganisiert?", "Hat der andere keine Lust auf Kontakt und traut sich nicht, das zu äußern?"
Es setzt sich ein Gedankenkarussell mit den damit verbundenen Gefühlen in Gang.
Ärger, Frust, Hilflosigkeit, Genervtheit, Trotz,...

Gestern habe ich mich wieder beim Ärgern ertappt und dann einmal genauer hingesehen.
1. Was genau ist es, worüber ich mich ärgere? Welche Bedürfnisse werden gerade angesprochen?
2. Wie verhalte ich mich selber, wenn ich E-Mails bekomme?
Antworte ich immer in dem Zeitraum, den ich von anderen erwarte?
Und wenn ich es nicht tue, was sind meine Beweggründe? 

Punkt 1: Ich ärgere mich, weil ich mich nicht wertgeschätzt und nicht gesehen fühle. Mir sind außerdem Zuverlässigkeit, Transparenz und Offenheit wichtig! 
Punkt 2: Dieser erfordert, wenn er mich weiterbringen soll, absolute Ehrlichkeit mir selber gegenüber und die kann schon mal weh tun...

Mir fiel nämlich ein, dass mir vor Kurzen genau dieses Thema  "auf die Füße gefallen ist".
Ich habe die Beantwortung einer E-Mail zwei Wochen vor mir hergeschoben, weil ich mir bezüglich des Themas nicht im Klaren war, was ich möchte.
Der Verfasserin ging es daraufhin wie mir jetzt: Sie war irritiert und fühlte sich nicht gesehen. Und sie hat das einzig richtige gemacht, indem sie mir genau das mitgeteilt hat.

Was hat mich gehindert, ihr direkt zu antworten und offen zu sagen, wie es mir geht? Schließlich sind mir doch Transparenz und Offenheit wichtig?
Ich hatte Angst vor ihrer Reaktion, Angst davor, sie zu enttäuschen.
Offenheit und Transparenz zu leben, kostet oft Überwindung. Meistens hindert uns die Angst vor der Reaktion des anderen daran, ehrlich zu sein. Wir möchten vielleicht gerne etwas weniger Kontakt, aber ganz abbrechen wollen wir ihn auch nicht. Eine Zwickmühle!
Kommen wir dann mit der Ausrede: "Ich habe soooo viel um die Ohren, ich bin gar nicht dazu gekommen" sagen wir letztendlich nichts anderes als "mir sind andere Dinge wichtiger/ du stehst auf der Prioritätenliste aktuell weiter unten"

Oder wir verdrängen eine Mail und hoffen, dass sich die Sache von alleine erledigt. Vielleicht ist der andere irgendwann so genervt, dass er den Kontakt von sich aus reduziert oder beendet.

Sowohl privat als auch geschäftlich macht es etwas mit uns, wenn jemand nicht auf unsere Kommunikation eingeht. Watzlawick hat es deutlich formuliert: Man kann nicht nicht kommunizieren. 

Was bedeutet das nun für mich persönlich?
In Bezug auf die beiden Anfragen als Kunde habe ich entschieden, dass mir die eine Anfrage nicht so wichtig ist und ich denjenigen durch einen anderen Anbieter ersetzen kann. Dieser Geschäftskontakt ist für mich daher erledigt.
Die andere Anfrage ist mir wichtig, so dass ich diesem Anbieter eine Rückmeldung geben werde, wie es mir als Kunde damit geht, dass er nicht antwortet. Was er mit dieser Rückmeldung anfängt, liegt dann in seiner Hand.

Tja, bleibt noch die private E-Mail, auf die keine Reaktion erfolgt ist. Auch hier werde ich die Person wissen lassen, wie es mir damit geht und schauen, was passiert.
Gleichzeitig achte ich zukünftig genauer darauf, dass ich selber einhalte, was ich mir von anderen wünsche. Je mehr ich selber erlebe, wie schwer das manchmal ist, umso mehr wächst mein Verständnis für andere.


Samstag, 12. Mai 2012

Unser persönlicher Flohzirkus

Neulich hat mir ein Freund von diesem Versuch erzählt:
Man hat Flöhe in ein Glas gesetzt, aus dem sie immer wieder rausgesprungen sind.
Um sie daran zu hindern, wurde das Glas mit einem Deckel abgedeckt. Die Flöhe konnten nun also nur noch bis zum Deckel springen.
Nach einiger Zeit wurde der Deckel entfernt und siehe da: Die Flöhe sind dennoch nicht mehr über den Rand hinausgesprungen, sondern im Glas geblieben.

Im Grunde funktioneren wir Menschen nicht anders. Von Kindesbeinen an werden wir mit verschiedenen "Deckeln" konfrontiert, an denen wir uns schließlich orientieren.
Wir übernehmen diese Deckel bzw. mentalen Grenzen und richten uns innerhalb unseres "Glases" ein.
Dass es ein Leben außerhalb dieser Grenze gibt, können wir uns meistens gar nicht vorstellen. Das wäre, als müssten wir uns die Unendlichkeit des Weltalls vorstellen - unmöglich!

Aber genau diese Grenzen hindern uns daran, ein selbstbestimmtes Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu führen. "Das geht nicht", "das hat noch keiner geschafft", "davon kann man nicht leben", "das ist verrückt".
Um uns auszuprobieren, müssen wir die Grenzen erkennen und uns trauen, sie zu überwinden. Vielleicht landen wir dabei unsanft auf dem Bauch, vielleicht brauchen wir mehrere Anläufe, vielleicht sind wir aber auch überrascht, dass es viel leichter war, als wir dachten?

Natürlich stellt sich auch die Frage, wann wir anderen unsere Sichstweise überstülpen? Wir können uns über unsere verschiedenen Ansichten austauschen, aber es gibt kein universelles "richtig" oder "falsch". 

Wenn ich jetzt mit vermeintlich fixen Ansichten konfrontiert werde, erinnere ich mich immer wieder an diese Flohgeschichte.
Wir sind frei, unsere Grenzen selber abzustecken und unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Dream the impossible dream!

Samstag, 5. Mai 2012

Alles auf Anfang

Drei Monate Spanien liegen hinter mir.
Bevor ich hierhin kam, war ich vorher bloß einmal zu Besuch und somit ist alles für mich neu: die Kultur, die Sprache, die Gewohnheiten, Rituale.
Wie geht es mir damit und wie gehe ich mit dieser Situation um?
Mein Motto ist: "Alles auf Anfang".
Ich versuche, das Land und die Menschen in jedem Moment mit Interesse, Neugierde und vor allem mit einem offenem Herzen zu erfassen.
Dinge, an denen ich mich in Deutschland orientieren konnte, helfen mir hier herzlich wenig. Das beginnt schon bei alltäglichen Sachen wie einem Einkauf. Die Supermärkte sind nach einem ganz anderen System aufgebaut. Sind in Deutschland bestimmte Produkte wie z.B. Nudeln als Produktgruppe zusammengefasst, findet man sie in einem spanischen Supermarkt an zig Stellen: Beim Getreide, bei Bio-Produkten, vielleicht auch noch an einer anderen Stelle.
Da hilft kein Nachdenken, sondern am besten ein intuitives Einlassen auf diese neuen Gegebenheiten.

Ungewohnt ist es für mich auch, mich noch nicht verständigen zu können. Aktuell muss ich mich mit einem noch winzigen Wortschatz durchwurschteln und stehe oft hilf- bzw. sprachlos da.
Die Katalanen freuen sich jedoch riesig, wenn man sich die Mühe macht, ihre Sprache zu lernen. Und ich wiederrum freue mich über die positive Resonanz, wenn ich meine wenigen katalanischen Wörter anbringe. Es entstehen natürlich viele lustige Momente und genauso viele tolle Erfahrungen!

Mich hier zu integrieren, erfordert einen ständigen Perspektivwechsel, viel Selbstreflexion und das Loslösen von der Verstandesebene. Der Verstand hält an Bekanntem fest, vergleicht, sortiert ein, sucht nach Fixpunkten und Orientierung.

Verlasse ich diese rationale Ebene, öffnet sich eine ganz neue Erlebniswelt - neu, aufregend und bewegend! Emotionen sind Bewegung, das Leben ist Bewegung und ich bin für all das, was mich hier bewegt, unendlich dankbar!

Donnerstag, 26. April 2012

Mündig oder unmündig?

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
(Immanuel Kant).


Ich musste den Satz mehrfach lesen und durchdenken, um ihn wirklich zu begreifen.

Jeder von uns würde wahrscheinlich von sich behaupten, unmündig zu sein, aber stimmt das wirklich?

Wenn ich in mich gehe, finde ich durchaus Momente, in denen ich der Ansicht anderer gefolgt bin oder es noch tue - sei es aus Bequemlichkeit oder weil mich z.B. eine Lehre begeistert.
Genau hier ist es aus meiner Sicht aber wichtig, seinen Verstand einzuschalten: Wenn uns etwas in seinen Bann zieht!


Der amerikanische Psychologie, Buddhist und Meditationslehrer Jack Kornfield schreibt in seinem Buch "Das Tor des Erwachens":
"Wir wurden konditioniert, zu Autoritäten aufzublicken und unserem eigenen Körper und unseren eigenen Gefühlen zu misstrauen. Selber zu denken ist verpönt. Also hat man sich daran gewöhnt, denen zu folgen, die es "besser wissen".


Sich jederzeit eine eigene Meinung zu bilden, ist anstrengend und kann unbequem sein. Und es erfordert, wie Immanuel Kant es bereits gesagt hat, Mut.
Um jedoch wirklich ein freies, selbstverantwortliches Leben zu führen, ist dieser Schritt notwendig.


Viele Gurus, Lehrer und Lehren profitieren von der unreflektierten Haltung ihrer Anhänger. Dabei geht es nicht nur um spirituelle oder religiöse Themen, sondern letztendlich um jeden Lebensbereich. 

Um mich selber in selbstständigem Denken zu üben, beobachte ich mich sehr genau.
Welche Anschauung, Regel, Wertvorstellung, Lehre etc,. habe ich übernommen, ohne sie genau eigenständig überdacht zu haben?
Dabei stoße ich teilweise auf Konflikte wie z.B. "darf man das wirklich anders sehen?".
Die Antwort, was "richtig" und "falsch" ist, kann sich jeder nur selber geben. Das Denken bleibt Ihnen dabei aber nicht erspart.


Dienstag, 10. April 2012

Buchtipp "Triffst du Buddha, töte ihn"

Der Autor dieses Buchs hat sich einem Selbstversuch unterzogen und 10 Tage an einem Vipassana Retreat teilgenommen.
10 Tage absolutes Schweigen, kein Lesen, kein Radio, kein Strom....stattdessen täglich 10 Stunden Meditation.
Er berichtet in einer deutlichen, manchmal krassen, Sprache von seiner Erfahrung.

Mir hat es wirklich gut gefallen, weil Herr Altmann Punkte anspricht, die mir selber schon Kopfzerbrechen bereitet haben. Seit einigen Jahren interessiere und beschäftige ich mich intensiv mit dem Buddhismus, gerate aber immer wieder an Grenzen.
Andreas Altmann thematisiert genau diese und weckt gleichzeitig eine enorme Lust auf Meditation.
Wer gerne einmal eine andere Perspektive auf die großen Weltreligionen einnehmen und gleichzeitig etwas über die Vorteile von Meditation erfahren möchte, hat mit diesem Buch bestimmt Spaß.

Donnerstag, 15. März 2012

Mit dem Herzen hören

"Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar".

Dieser Satz passt hervorragend zu dem Prozess, in dem ich mich gerade befinde. Auch dieser Buchtitel bringt es auf den Punkt: "Herzenhören" (übrigens ein sehr schöner Roman!)

In den letzten Wochen richte ich meine Wahrnehmung immer mehr von außen nach innen. Dabei beschäftigen mich unter anderem diese Fragen:
Was lösen bestimmte Situationen/Personen in mir aus?
Wie geht es mir damit, meine Zeit aktuell komplett frei gestalten zu können?
Welche innere Stimme wird in mir wach, die mich antreiben will?
Oder nehme ich einen Kritiker in mir wahr, der mir sagt, das kann ich doch so nicht machen?
Welche Impulse verspüre ich, etwas zu tun?
Und vor allem: Wie ist meine Balance zwischen Verstand und Gefühl?

Genau das ist es, was mir ein Anliegen ist, nämlich immer mehr mit dem Herzen zu hören. Ich möchte mich und andere besser kennenlernen, mich von Bewertungen und einschränkenden Glaubensmustern lösen. Dazu ist ein Rückzug nach innen, ein Innehalten, notwendig. Nur, wenn ich mich selber wertfrei annehmen kann, gelingt mir das auch mit anderen.
Sich anderen Menschen und neuen Situationen komplett zu öffnen, mit allen Facetten, das kostet Überwindung und manchmal auch Mut - das erlebe ich gerade selber. Und täglich bin ich dankbar für die  vielen Erfahrungen, die ich hier sammeln kann und die alle dazu beitragen, dass mein Verstand und mein Gefühl  immer mehr in Balance kommen.

Samstag, 11. Februar 2012

Die Zeit vergeht

Heute bin ich schon 2,5 Wochen in Spanien, es kommt mir aber viel länger vor. 
In den ersten Tagen war es hier noch angenehm warm mit 15 Grad, aber gleichzeitig mit dem Kälteeinbruch in Deutschland wurde es auch hier frostig. Nachts haben wir -3 bis 0 Grad, tagsüber bis ca. 5 Grad.
Meine Unterkunft ist ein kleines Holzblockhaus mit insgesamt ca. 35 m² Fläche: ein kleiner Raum zum Schlafen, ein Wohn-Ess-Kochbereich und ein kleines Bad. 
Beheizt wird es entweder mit einem mobilen Gasofen oder einem Holzofen. Da beide nachts natürlich nicht durchgehend laufen, habe ich morgens ca. 10 Grad im Haus. 

Ich habe mich ganz bewusst dazu entschieden, mein Leben zu vereinfachen und meinen Hausstand auf ein Minimum zu reduzieren. Es macht mir Spaß, Holz zu sägen, damit ich später damit heizen kann. Was für ein Genuss, wenn sich die Wärme langsam im kalten Raum ausbreitet! 

Viele kleine Dinge bekommen hier für mich eine neue Wertung und Bedeutung. Anstatt mich darum kümmern zu müssen, eine große Wohnung sauberzuhalten, reicht mir diese Wohnfläche absolut aus. Die so gewonnene Zeit verbringe ich mit ausgiebigen Spaziergängen oder gemütlichen Lesestunden im Schaukelstuhl neben dem Ofen.

Die Finca liegt in absoluter Ruhe - ein idealer Ort, um sich zu sammeln und im Einklang mit der Natur zu leben!

Montag, 30. Januar 2012

Wenn einer eine Reise tut...

...dann kann er, in dem Fall ich, was erzählen.
Zum Glück halten sich meine Horrorgeschichten in Grenzen, was bei so einer langen Tour mit drei Hunden im „Gepäck“ nicht selbstverständlich ist. Dass ich mich allerdings verfahren habe, gehört dann doch zu den Missgeschicken der Reise. Und wenn schon verfahren, dann richtig: Morgens um 07.45 Uhr mitten im Lyoner Berufsverkehr! 
Von meinem Hotel bis zur Autobahnauffahrt waren es theoretisch nur 8 Minuten. Ich habe daraus 60 Minuten und 25 km gemacht….Einmal die Auffahrt verpasst, ab in einem zig Kilometer langen Tunnel - ohne Plan, wo ich bin. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich eine Ausfahrt, so dass ich wieder in die ursprünglich geplante Richtung fahren konnte. Weitere 30 Minuten später war ich wieder auf der richtigen Fährte, nämlich der A7 in Richtung Marseille. 

Die restliche Fahrt verlief ohne jegliche Probleme. Meine tierischen Begleiter sind hervorragende Reisehunde und integrieren sich in jedes Umfeld. So gab es auch bei der Zwischenübernachtung in Lyon überhaupt keine Probleme und ich bin richtig stolz auf meine Hunde.
Heute ist mein 6ter Tag in Spanien und ich komme langsam an. Wie es weitergeht? Fortsetzung folgt! 

Dienstag, 17. Januar 2012

Umzug in die Sonne

Mit Froschkönigin Coach habe ich mich auf die Themen Selbstwert und Selbstverwirklichung spezialisiert. Mich frei zu fühlen und mich ausleben zu können, sind für mich persönlich sehr wichtige Werte.
In der Vergangenheit habe ich bereits einige einschneidende Entscheidungen getroffen. Mein sicheres Angestelltenverhältnis in einem Großkonzern habe ich zum Beispiel aufgegeben, um selbstständig arbeiten zu können.

Nun steht für mich eine weitere große Veränderung an, denn in sechs Tagen ziehe ich nach Katalonien. Selbstverständlich bin ich aufgeregt, manchmal zweifel ich und dann überwiegt wieder die Vorfreude.

Am nächsten Montag begebe ich mich mit meinen drei Hunden auf die 1300 km lange Fahrt mit einer Übernachtung in Lyon. Bis dahin halten mich die restlichen Umzugsvorbereitungen auf Trab.
Wie es weitergeht, darüber berichte ich in den nächsten Tagen und Wochen hier im Blog, und Bilder gibt es dann auch zu sehen!