Sonntag, 24. Juni 2012

Einmal Deutschland und zurück

Letzte Woche war es soweit, mein erster Deutschlandbesuch nach 5 Monaten.
Ich war sehr darauf gespannt, wie ich mich fühlen werde, denn in der Zwischenzeit ist viel passiert.

Tja, ich mache es kurz:
Ich habe mich in Deutschland nicht mehr heimisch gefühlt.
Und wie das mit Gefühlen so ist, lassen sich diese nicht rational erklären. Deshalb wäre es falsch zu sagen, es liegt an diesem oder jenem. 

Ich habe es sehr genossen, meine Freunde zu treffen und bekannte Orte aufzusuchen, aber ich habe mich lediglich als Besucher gefühlt. Stattdessen habe ich meine neue Heimat vermisst und auch hier konnte ich nicht genau erklären, woran es lag. Natürlich fehlte mir die Sonne, aber auch der katalanische "way of life". 

Im Nachhinein war mein Deutschlandaufenthalt für mich sehr wichtig, denn ich habe gespürt, wie sehr ich mich schon jetzt mit meiner neuen Heimat verbunden fühle. Es war eine emotionale Bestätigung, dass ich hier bleiben und mir etwas aufbauen möchte.

Als ich am Freitag zurückkam, habe ich mich sofort wieder zu Hause gefühlt und nicht gefremdelt. Die Zeit in Deutschland war schön und ich habe mich sehr gefreut, meine Freunde zu sehen!
Aber nun geht es hier weiter und ich bin gespannt, wie es wieder 5 Monate später aussieht.....


Samstag, 2. Juni 2012

Frau über Bord....

Letztes Wochenende habe ich mich mal wieder einer neuen Erfahrung gestellt: ich habe an einem Kajakkurs für Einsteiger teilgenommen.
Das Wetter war auf unserer Seite, absolut windstill und keine Wellen. Für einen erfahrenen Kajakfahrer ist das wohl der Höhepunkt an Langeweile ;-)
Für mich dagegen war es ideal, weil ich in Ruhe übers Meer schippern und mich auf die Übungen konzentrieren konnte.

Am ersten Tag klappte es super, auch die Übung, bei der wir uns umkippen lassen mussten, um das Aus- und wieder Einsteigen zu üben.
Am zweiten Tag kam ich dagegen immer wieder in Situationen, in denen ich ängstlich war. "Was, wenn ich umkippe, ohne, dass ich mich vorher darauf einstellen konnte? Komme ich dann genauso flott aus dem Kajak raus?"
Die Unsicherheit saß mit im Boot und hat mich übervorsichtig werden lassen.

Dabei gab es dazu keinen Grund! Wir alle hatten Schwimmwesten an, der Kajaklehrer war immer in der Nähe, es hätte also nichts passieren können.
Nach einiger Zeit habe ich mich über meine eigene Ängstlichkeit geärgert. Es ging mir auf den Keks, dass ich so vorsichtig war, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass nichts passieren kann.

Aber Ärger ist auch kein guter Ratgeber, also habe ich mich darauf besonnen, was ich anderen raten würde: Annehmen, was ist!
Ich habe in diesem Moment Angst? Gut, dann ist das jetzt gerade so. 

Aus Erfahrung weiß ich, wie ich mit so Situationen am besten umgehe.
  1. Vom unbewussten Gruppendruck des Kurses lösen. Ich bin langsamer als die anderen - na und? Hauptsache ist, ich fühle mich wohl!
  2. Übungen in kleinste Teile zerlegen und die Abläufe nach und nach üben. Dann erst setze ich die einzelnen Teile zusammen. 
  3. Ich benötige viele Wiederholungen, um mich sicher zu fühlen. Also mache ich lieber weniger Übungen mit und konzentriere mich stattdessen auf ein oder zwei.
  4. Das Ganze soll mir Spaß machen!
    Anstatt in persönlichen Stress zu verfallen, erinnere ich mich daran, dass ich das Ganze mache, um Spaß zu haben. Ich muss niemandem etwas beweisen, ich kann alles so machen, wie es mir guttut!
Nachdem ich mir selber den Druck genommen habe, ging es mir deutlich besser. Ich hatte Verständnis für meine Ängste, habe mich nicht weiter verurteilt und stattdessen darauf geachtet, dass ich mich wohlfühle. 

In solchen Momenten kann man übrigens die inneren Stimmen gut wahrnehmen, wenn man in sich rein hört. Kritiker, Antreiber, Zweifler,....
Morgen bietet sich mir dazu eine weitere Gelegenheit, dann nehme ich an einer Exkursion der Kajakschule teil: 1,5 Stunden Kajakfahren, 1,5 Stunden spazierengehen.
Zumindest beim Spazierengehen kann es dann nicht heißen "Achtung, Frau über Bord" ;-)