Donnerstag, 29. November 2012

Vielen Dank - moltes gràcies

Das Jahr geht dem Ende zu und schon jetzt lasse ich die letzten Monate gedanklich noch einmal an mir vorbeiziehen.
Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein Jahr erlebt zu haben wie dieses. Es war geprägt von heftigsten Eindrücken und Emotionen, in jeglicher Hinsicht.
Es begann damit, dass ich im Januar von Deutschland nach Spanien gezogen bin, ohne genau Pläne, was ich hier machen möchte.
6 Wochen später ist meine über alles geliebte Hundeoma Fine gestorben.

Und es ging wie auf einer Achterbahn weiter:
- neue Sprache lernen
- Verliebtsein
- Liebeskummer
- der Tod eines Finca-Mitbewohners
- der riesige Waldbrand
- eine 6 wöchige Reise quer durch Spanien - reines Wildcampen auf engstem Raum im Auto mit den 2 Hundemädels
- mit dem Klettern angefangen, trotz bzw. wegen meiner Höhenangst
- bin Teil eines neuen, wunderbaren Projekts geworden (www.diez-centimos.com)
- habe die Finca verlassen und wage nur komplett etwas Neues - beruflich und privat.
- wieder Verliebtsein und Trennungsschmerzen
- aktuell Wohnen unter ungewöhnlichsten Umständen

Mein Leben hat sich, im Vergleich zu dem in Deutschland, um 180 Grad gedreht. Alle scheinbaren Sicherheiten habe ich über Bord geworfen und fange von ganz vorne an, mache völlig neue Erfahrungen und springe kopfüber ins Leben. Alltagsroutine kommt gerade keine auf und ich vermisse sie auch nicht. Im Gegenteil, noch nie war mein Leben so aufregend wie zurzeit.

Am meisten beeindruckt mich jedoch eines: All die unglaublich vielen lieben Menschen, die ich um mich herum habe! Ich bekomme so viel Unterstützung, positiven Zuspruch und Hilfsbereitschaft entgegengebracht, dass ich es manchmal gar nicht glauben kann. Von alten Freunden und Bekannten genauso wie von neu geknüpften Kontakten in Katalonien.

Ohne euch würde ich dieses Leben, wie ich es gerade lebe, nicht führen können!
Euer Rückhalt ist mir enorm wichtig und ich danke euch allen dafür, dass ihr für mich da seid - moltes gràcies!!! 














Montag, 13. August 2012

Die Zeit nach dem Brand

Einige haben es mitbekommen, dass wir vor 3 Wochen einen riesigen Waldbrand hatten. Insgesamt sind 13.000 Hektar Land verbrannt.
Auch unsere Finca war direkt betroffen. Das Feuer ging nicht um sie herum, sondern mitten durch! Und klar, es hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, auf die ich im Detail aber gar nicht noch einmal eingehen möchte.

Jetzt, nach 3 Wochen, ist bereits zu sehen, dass sich die Natur erholt und an einigen Stellen schon wieder etwas Grünes wächst.
Anders sieht es mit den betroffenen Menschen aus, so auch mit mir.
Täglich bin ich aufs Neue mit den Auswirkungen konfrontiert: dem Gestank nach Ruß, dem Dreck im Haus, den total verkohlten Bäumen.

Direkt nach dem Feuer haben wir alle große Erleichterung verspürt, dass uns und den Tieren (gesundheitlich) nichts passiert ist. Erst nach und nach habe ich jedoch das ganze Ausmaß realisiert und in völlig unerwarteten Momenten angefangen zu weinen.

Viele meiner Freunde in Deutschland konnten gar nicht nachvollziehen, was hier vor sich gegangen ist. Die häufigste Äußerung war: "Gut, dass euch nichts passiert ist" und dann ging es weiter im Text.

Ganz so leicht ist das aber nicht. Es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und darüber zu reden. Erst dann ist es möglich, wieder nach vorne zu schauen und sich dem Aufbau zu widmen.
"Anerkennen was ist", ist einer der wichtigsten Grundsätze im Coaching. Das habe ich nun wieder am eigenen Leib erfahren und bin für diese "Lektion" dankbar.

Aktuell baue ich den erlebten Stress mit Bewegung ab. Es hält mich keine 5 Minuten auf einem Stuhl, dauernd mache ich irgendetwas. Und das ist in
Ordnung, die Zeiten werden sich wieder ändern.


Freitag, 6. Juli 2012

Ich habe mich verliebt!

Es hat mich erwischt. Ich bin verliebt und zwar...in Katalonien!
Ich bin verliebt in das Land, seine Menschen, die Natur, die Sprache, das Klima und die Kultur
Bevor ich hierhin gezogen bin, wusste ich so gut wie nichts über diese Region. 
Ich war völlig unbedarft und lerne Katalonien nun seit 6 Monaten intensiv kennen. 
Korkeichenwald
Wenn mich jemand nach meiner neuen Heimat fragt, komme ich ins Schwärmen und in einen wahren Erzählrausch. 

Ich fühle mich in Katalonien mit offenen Armen empfangen. Überall treffe ich auf hilfsbereite, aufgeschlossene und kontaktfreudige Menschen. 
In 30 Minuten bin ich am Meer und kann wählen zwischen endlosen Sandstränden oder kleineren Steinbuchten.
Oder soll es vielleicht doch lieber ein Ausflug in die Pyrenäen sein? Ein Spaziergang im Korkeichenwald oder eine Fahrt zum Stausee um die Ecke?
Die Landschaft ist unwahrscheinlich abwechslungsreich, so dass für jeden Geschmack etwas geboten wird.
Ausblick beim Spaziergang


Dazu kommt ein breitgefächertes Kulturangebot wie z.B. OpenAir Konzerte, Feste, Freiluftkino, etc.
Und die Krönung bildet für mich das Sportangebot. Wer hier nichts findet, was ihm Spaß macht, dann weiß ich auch nicht....

In Katalonien kommt man überall mit Spanisch durch, aber einen wirklichen Zugang zu den Katalanen bekommt man nur über ihre eigene Sprache.
Während der Franco-Diktatur wurde das Katalanische verboten. Für mich ist es daher nachvollziehbar, dass den Katalanen viel an ihrer Sprache und dem damit verbundenen Lebensgefühl gelegen ist.
Obwohl ich selber bisher nur "una mica de català" spreche, lerne ich die Sprache mit totaler Begeisterung!
Weinanbau vor Capmany

Wie sehr ich mich in Katalonien verliebt habe, wurde mir erst bewusst, als ich vorletzte Woche in Deutschland war. Mir haben viele Kleinigkeiten gefehlt, die ich an diesem Land so zu schätzen gelernt habe. 

Nun tauche ich wieder in das hiesige Leben ein, war mit meiner Katalan-Volontärin im Theater (moltes gràcies, Sílvia!),
erkunde den Rock Català und würde mich freuen, wenn auch bei euch ein katalanischer Funke überspringt! 



Erklärung zu den Dolmen (s.u)


Rock Catalá:
u.v.m







Sonntag, 24. Juni 2012

Einmal Deutschland und zurück

Letzte Woche war es soweit, mein erster Deutschlandbesuch nach 5 Monaten.
Ich war sehr darauf gespannt, wie ich mich fühlen werde, denn in der Zwischenzeit ist viel passiert.

Tja, ich mache es kurz:
Ich habe mich in Deutschland nicht mehr heimisch gefühlt.
Und wie das mit Gefühlen so ist, lassen sich diese nicht rational erklären. Deshalb wäre es falsch zu sagen, es liegt an diesem oder jenem. 

Ich habe es sehr genossen, meine Freunde zu treffen und bekannte Orte aufzusuchen, aber ich habe mich lediglich als Besucher gefühlt. Stattdessen habe ich meine neue Heimat vermisst und auch hier konnte ich nicht genau erklären, woran es lag. Natürlich fehlte mir die Sonne, aber auch der katalanische "way of life". 

Im Nachhinein war mein Deutschlandaufenthalt für mich sehr wichtig, denn ich habe gespürt, wie sehr ich mich schon jetzt mit meiner neuen Heimat verbunden fühle. Es war eine emotionale Bestätigung, dass ich hier bleiben und mir etwas aufbauen möchte.

Als ich am Freitag zurückkam, habe ich mich sofort wieder zu Hause gefühlt und nicht gefremdelt. Die Zeit in Deutschland war schön und ich habe mich sehr gefreut, meine Freunde zu sehen!
Aber nun geht es hier weiter und ich bin gespannt, wie es wieder 5 Monate später aussieht.....


Samstag, 2. Juni 2012

Frau über Bord....

Letztes Wochenende habe ich mich mal wieder einer neuen Erfahrung gestellt: ich habe an einem Kajakkurs für Einsteiger teilgenommen.
Das Wetter war auf unserer Seite, absolut windstill und keine Wellen. Für einen erfahrenen Kajakfahrer ist das wohl der Höhepunkt an Langeweile ;-)
Für mich dagegen war es ideal, weil ich in Ruhe übers Meer schippern und mich auf die Übungen konzentrieren konnte.

Am ersten Tag klappte es super, auch die Übung, bei der wir uns umkippen lassen mussten, um das Aus- und wieder Einsteigen zu üben.
Am zweiten Tag kam ich dagegen immer wieder in Situationen, in denen ich ängstlich war. "Was, wenn ich umkippe, ohne, dass ich mich vorher darauf einstellen konnte? Komme ich dann genauso flott aus dem Kajak raus?"
Die Unsicherheit saß mit im Boot und hat mich übervorsichtig werden lassen.

Dabei gab es dazu keinen Grund! Wir alle hatten Schwimmwesten an, der Kajaklehrer war immer in der Nähe, es hätte also nichts passieren können.
Nach einiger Zeit habe ich mich über meine eigene Ängstlichkeit geärgert. Es ging mir auf den Keks, dass ich so vorsichtig war, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass nichts passieren kann.

Aber Ärger ist auch kein guter Ratgeber, also habe ich mich darauf besonnen, was ich anderen raten würde: Annehmen, was ist!
Ich habe in diesem Moment Angst? Gut, dann ist das jetzt gerade so. 

Aus Erfahrung weiß ich, wie ich mit so Situationen am besten umgehe.
  1. Vom unbewussten Gruppendruck des Kurses lösen. Ich bin langsamer als die anderen - na und? Hauptsache ist, ich fühle mich wohl!
  2. Übungen in kleinste Teile zerlegen und die Abläufe nach und nach üben. Dann erst setze ich die einzelnen Teile zusammen. 
  3. Ich benötige viele Wiederholungen, um mich sicher zu fühlen. Also mache ich lieber weniger Übungen mit und konzentriere mich stattdessen auf ein oder zwei.
  4. Das Ganze soll mir Spaß machen!
    Anstatt in persönlichen Stress zu verfallen, erinnere ich mich daran, dass ich das Ganze mache, um Spaß zu haben. Ich muss niemandem etwas beweisen, ich kann alles so machen, wie es mir guttut!
Nachdem ich mir selber den Druck genommen habe, ging es mir deutlich besser. Ich hatte Verständnis für meine Ängste, habe mich nicht weiter verurteilt und stattdessen darauf geachtet, dass ich mich wohlfühle. 

In solchen Momenten kann man übrigens die inneren Stimmen gut wahrnehmen, wenn man in sich rein hört. Kritiker, Antreiber, Zweifler,....
Morgen bietet sich mir dazu eine weitere Gelegenheit, dann nehme ich an einer Exkursion der Kajakschule teil: 1,5 Stunden Kajakfahren, 1,5 Stunden spazierengehen.
Zumindest beim Spazierengehen kann es dann nicht heißen "Achtung, Frau über Bord" ;-)


Dienstag, 15. Mai 2012

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Manchmal bewegt mich längere Zeit nichts, worüber ich schreiben möchte, aktuell schon.
Das ist der Auslöser:
Letzte Woche habe ich drei E-Mails geschrieben, zwei Anfragen als Kunde und eine private. Auf keine der drei Mails habe ich bisher eine Antwort bekommen.

Diese Nicht-Reaktionen lösen bei mir etwas aus. Ich frage mich: "Hat der/-diejenige es geschäftlich nicht nötig, einen Kunden zu gewinnen oder zu halten?", "Ist der-/diejenige derart unorganisiert?", "Hat der andere keine Lust auf Kontakt und traut sich nicht, das zu äußern?"
Es setzt sich ein Gedankenkarussell mit den damit verbundenen Gefühlen in Gang.
Ärger, Frust, Hilflosigkeit, Genervtheit, Trotz,...

Gestern habe ich mich wieder beim Ärgern ertappt und dann einmal genauer hingesehen.
1. Was genau ist es, worüber ich mich ärgere? Welche Bedürfnisse werden gerade angesprochen?
2. Wie verhalte ich mich selber, wenn ich E-Mails bekomme?
Antworte ich immer in dem Zeitraum, den ich von anderen erwarte?
Und wenn ich es nicht tue, was sind meine Beweggründe? 

Punkt 1: Ich ärgere mich, weil ich mich nicht wertgeschätzt und nicht gesehen fühle. Mir sind außerdem Zuverlässigkeit, Transparenz und Offenheit wichtig! 
Punkt 2: Dieser erfordert, wenn er mich weiterbringen soll, absolute Ehrlichkeit mir selber gegenüber und die kann schon mal weh tun...

Mir fiel nämlich ein, dass mir vor Kurzen genau dieses Thema  "auf die Füße gefallen ist".
Ich habe die Beantwortung einer E-Mail zwei Wochen vor mir hergeschoben, weil ich mir bezüglich des Themas nicht im Klaren war, was ich möchte.
Der Verfasserin ging es daraufhin wie mir jetzt: Sie war irritiert und fühlte sich nicht gesehen. Und sie hat das einzig richtige gemacht, indem sie mir genau das mitgeteilt hat.

Was hat mich gehindert, ihr direkt zu antworten und offen zu sagen, wie es mir geht? Schließlich sind mir doch Transparenz und Offenheit wichtig?
Ich hatte Angst vor ihrer Reaktion, Angst davor, sie zu enttäuschen.
Offenheit und Transparenz zu leben, kostet oft Überwindung. Meistens hindert uns die Angst vor der Reaktion des anderen daran, ehrlich zu sein. Wir möchten vielleicht gerne etwas weniger Kontakt, aber ganz abbrechen wollen wir ihn auch nicht. Eine Zwickmühle!
Kommen wir dann mit der Ausrede: "Ich habe soooo viel um die Ohren, ich bin gar nicht dazu gekommen" sagen wir letztendlich nichts anderes als "mir sind andere Dinge wichtiger/ du stehst auf der Prioritätenliste aktuell weiter unten"

Oder wir verdrängen eine Mail und hoffen, dass sich die Sache von alleine erledigt. Vielleicht ist der andere irgendwann so genervt, dass er den Kontakt von sich aus reduziert oder beendet.

Sowohl privat als auch geschäftlich macht es etwas mit uns, wenn jemand nicht auf unsere Kommunikation eingeht. Watzlawick hat es deutlich formuliert: Man kann nicht nicht kommunizieren. 

Was bedeutet das nun für mich persönlich?
In Bezug auf die beiden Anfragen als Kunde habe ich entschieden, dass mir die eine Anfrage nicht so wichtig ist und ich denjenigen durch einen anderen Anbieter ersetzen kann. Dieser Geschäftskontakt ist für mich daher erledigt.
Die andere Anfrage ist mir wichtig, so dass ich diesem Anbieter eine Rückmeldung geben werde, wie es mir als Kunde damit geht, dass er nicht antwortet. Was er mit dieser Rückmeldung anfängt, liegt dann in seiner Hand.

Tja, bleibt noch die private E-Mail, auf die keine Reaktion erfolgt ist. Auch hier werde ich die Person wissen lassen, wie es mir damit geht und schauen, was passiert.
Gleichzeitig achte ich zukünftig genauer darauf, dass ich selber einhalte, was ich mir von anderen wünsche. Je mehr ich selber erlebe, wie schwer das manchmal ist, umso mehr wächst mein Verständnis für andere.


Samstag, 12. Mai 2012

Unser persönlicher Flohzirkus

Neulich hat mir ein Freund von diesem Versuch erzählt:
Man hat Flöhe in ein Glas gesetzt, aus dem sie immer wieder rausgesprungen sind.
Um sie daran zu hindern, wurde das Glas mit einem Deckel abgedeckt. Die Flöhe konnten nun also nur noch bis zum Deckel springen.
Nach einiger Zeit wurde der Deckel entfernt und siehe da: Die Flöhe sind dennoch nicht mehr über den Rand hinausgesprungen, sondern im Glas geblieben.

Im Grunde funktioneren wir Menschen nicht anders. Von Kindesbeinen an werden wir mit verschiedenen "Deckeln" konfrontiert, an denen wir uns schließlich orientieren.
Wir übernehmen diese Deckel bzw. mentalen Grenzen und richten uns innerhalb unseres "Glases" ein.
Dass es ein Leben außerhalb dieser Grenze gibt, können wir uns meistens gar nicht vorstellen. Das wäre, als müssten wir uns die Unendlichkeit des Weltalls vorstellen - unmöglich!

Aber genau diese Grenzen hindern uns daran, ein selbstbestimmtes Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu führen. "Das geht nicht", "das hat noch keiner geschafft", "davon kann man nicht leben", "das ist verrückt".
Um uns auszuprobieren, müssen wir die Grenzen erkennen und uns trauen, sie zu überwinden. Vielleicht landen wir dabei unsanft auf dem Bauch, vielleicht brauchen wir mehrere Anläufe, vielleicht sind wir aber auch überrascht, dass es viel leichter war, als wir dachten?

Natürlich stellt sich auch die Frage, wann wir anderen unsere Sichstweise überstülpen? Wir können uns über unsere verschiedenen Ansichten austauschen, aber es gibt kein universelles "richtig" oder "falsch". 

Wenn ich jetzt mit vermeintlich fixen Ansichten konfrontiert werde, erinnere ich mich immer wieder an diese Flohgeschichte.
Wir sind frei, unsere Grenzen selber abzustecken und unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Dream the impossible dream!