Dienstag, 15. Mai 2012

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Manchmal bewegt mich längere Zeit nichts, worüber ich schreiben möchte, aktuell schon.
Das ist der Auslöser:
Letzte Woche habe ich drei E-Mails geschrieben, zwei Anfragen als Kunde und eine private. Auf keine der drei Mails habe ich bisher eine Antwort bekommen.

Diese Nicht-Reaktionen lösen bei mir etwas aus. Ich frage mich: "Hat der/-diejenige es geschäftlich nicht nötig, einen Kunden zu gewinnen oder zu halten?", "Ist der-/diejenige derart unorganisiert?", "Hat der andere keine Lust auf Kontakt und traut sich nicht, das zu äußern?"
Es setzt sich ein Gedankenkarussell mit den damit verbundenen Gefühlen in Gang.
Ärger, Frust, Hilflosigkeit, Genervtheit, Trotz,...

Gestern habe ich mich wieder beim Ärgern ertappt und dann einmal genauer hingesehen.
1. Was genau ist es, worüber ich mich ärgere? Welche Bedürfnisse werden gerade angesprochen?
2. Wie verhalte ich mich selber, wenn ich E-Mails bekomme?
Antworte ich immer in dem Zeitraum, den ich von anderen erwarte?
Und wenn ich es nicht tue, was sind meine Beweggründe? 

Punkt 1: Ich ärgere mich, weil ich mich nicht wertgeschätzt und nicht gesehen fühle. Mir sind außerdem Zuverlässigkeit, Transparenz und Offenheit wichtig! 
Punkt 2: Dieser erfordert, wenn er mich weiterbringen soll, absolute Ehrlichkeit mir selber gegenüber und die kann schon mal weh tun...

Mir fiel nämlich ein, dass mir vor Kurzen genau dieses Thema  "auf die Füße gefallen ist".
Ich habe die Beantwortung einer E-Mail zwei Wochen vor mir hergeschoben, weil ich mir bezüglich des Themas nicht im Klaren war, was ich möchte.
Der Verfasserin ging es daraufhin wie mir jetzt: Sie war irritiert und fühlte sich nicht gesehen. Und sie hat das einzig richtige gemacht, indem sie mir genau das mitgeteilt hat.

Was hat mich gehindert, ihr direkt zu antworten und offen zu sagen, wie es mir geht? Schließlich sind mir doch Transparenz und Offenheit wichtig?
Ich hatte Angst vor ihrer Reaktion, Angst davor, sie zu enttäuschen.
Offenheit und Transparenz zu leben, kostet oft Überwindung. Meistens hindert uns die Angst vor der Reaktion des anderen daran, ehrlich zu sein. Wir möchten vielleicht gerne etwas weniger Kontakt, aber ganz abbrechen wollen wir ihn auch nicht. Eine Zwickmühle!
Kommen wir dann mit der Ausrede: "Ich habe soooo viel um die Ohren, ich bin gar nicht dazu gekommen" sagen wir letztendlich nichts anderes als "mir sind andere Dinge wichtiger/ du stehst auf der Prioritätenliste aktuell weiter unten"

Oder wir verdrängen eine Mail und hoffen, dass sich die Sache von alleine erledigt. Vielleicht ist der andere irgendwann so genervt, dass er den Kontakt von sich aus reduziert oder beendet.

Sowohl privat als auch geschäftlich macht es etwas mit uns, wenn jemand nicht auf unsere Kommunikation eingeht. Watzlawick hat es deutlich formuliert: Man kann nicht nicht kommunizieren. 

Was bedeutet das nun für mich persönlich?
In Bezug auf die beiden Anfragen als Kunde habe ich entschieden, dass mir die eine Anfrage nicht so wichtig ist und ich denjenigen durch einen anderen Anbieter ersetzen kann. Dieser Geschäftskontakt ist für mich daher erledigt.
Die andere Anfrage ist mir wichtig, so dass ich diesem Anbieter eine Rückmeldung geben werde, wie es mir als Kunde damit geht, dass er nicht antwortet. Was er mit dieser Rückmeldung anfängt, liegt dann in seiner Hand.

Tja, bleibt noch die private E-Mail, auf die keine Reaktion erfolgt ist. Auch hier werde ich die Person wissen lassen, wie es mir damit geht und schauen, was passiert.
Gleichzeitig achte ich zukünftig genauer darauf, dass ich selber einhalte, was ich mir von anderen wünsche. Je mehr ich selber erlebe, wie schwer das manchmal ist, umso mehr wächst mein Verständnis für andere.


2 Kommentare:

  1. Liebe Monika,
    richtig, auch das ist ein wichtiger Aspekt.
    Vielen Dank für deinen Kommentar!
    Britta

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  2. Liebe Britta,
    auch ich erwische mich ab und an dabei das ich ungeduldig bin bis eine Antwort kommt, aber hier muss man eben wieder lernen mehr Geduld zu haben, was in der heutigen schnelllebigen Welt nur schwer ist.
    Liebe Grüße
    Simone

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